Falsche Vorgaben für Schulnetz BBS

Bei der Vorstellung des Berufsschulnetzes am vergangenen Montag beklagte Ministerin Dr. Klaubert, dass Entscheidungen zum Berufsschulnetz über viele Jahre aus verschiedenen Gründen verschleppt wurden. Mit der Vorlage ihres lange erwarteten Schulnetzplanes für die nächsten 6 Jahre soll das nun geändert werden. Eine neue Herangehensweise ist im vorgelegten Schulnetz aber nicht zu erkennen.

Die Entwicklung der Schülerzahlen ist seit Jahren bekannt. Prognosen und Zahlen dazu findet man auf der Homepage des Bildungsministeriums zur Genüge. Zu erkennen ist aber auch, dass die Schülerzahlen nicht so weit abgesunken sind wie prognostiziert und wieder ansteigen sollen. Bei gegenwärtig ca. 41.250 Schülern und geforderten 1000 Schülern pro Schule haben alle staatlichen berufsbildenden Schulen in Thüringen deshalb eine Perspektive

Die entscheidende Frage ist: Wie erfolgt die Verteilung der Schüler? Hier sind Entscheidungen des Bildungsministeriums seit Jahren überfällig. Bisher, und daran hat sich mit der Vorlage des neuen Schulnetzplanes nichts geändert, wird der Kampf um Schüler zwischen den Schulen direkt ausgetragen. Das hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass Schulen im ländlichen Raum immer mehr Schüler an Schulen in den Städten verloren haben

Es ist bedauerlich, dass nach einjähriger „Diskussion“ zum Schulnetz 2016/17 der Ministerin nichts Neues eingefallen ist. Für 5 zu kleine Schulen werden Konzepte eingefordert, mit der Forderung nach Schulteil oder Schulverbund die Marschrichtung aber gleich vorgegeben. Abgesehen davon, dass sich die betroffenen Schulträger von einer Ministerin nicht ohne weiteres in ihre ureigenen Angelegenheiten hineinregieren lassen werden, sind das keine Lösungen.

Die u. a. geforderte Aufgabe der Schulen in Schleiz, Pößneck und Hermsdorf und deren mögliche Angliederung an Schulen in Gera oder Jena verändert doch nichts. Erst wenn die Schulstandorte komplett aufgegeben werden, würden sich die gewünschten Effekte einstellen. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die damit verbundenen längeren Wege für Schüler und Auszubildende weiter sinkende Schülerzahlen zur Folge haben. Es macht also keinen Sinn, Schulen im ländlichen Raum aufzulösen, wenn von den vorhandenen Schülern nur ein Teil in den städtischen Schulen ankommt.

Die Berufsausbildung im ländlichen Raum muss erhalten werden. Deshalb erwarten wir von der Ministerin, sich nicht nur für die immer wieder traditionellen „Büchsenmacher, Holzbildhauer und Glasbläser“ einzusetzen, sondern alle Berufe in Thüringen zu halten. Standorte von gefährdeten berufsbildenden Schulen können durch zusätzlich Aufgaben im Bereich der Weiterbildung oder bei der Beschulung von Flüchtlingen gesichert werden.
 

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Nicht viel Neues

Für den 15. Januar 2016 hatte Frau Staatssekretärin Ohler zu einer Gesprächsrunde mit Gewerkschaft und Verbänden eingeladen. Anwesend war auch Frau Ministerin Dr. Klaubert, die über aktuelle Entwicklungen aus allen Bereichen des Ministeriums berichten ließ.

In Bezug auf die völlig unbefriedigende Situation im Bereich der Beförderungen für Lehrkräfte gab es eine interessante Ankündigung. Nachdem Frau Ministerin Dr. Klaubert mit ihrem Schreiben vom 16. Dezember 2015 an alle Lehrerinnen und Lehrer über die schwierige Situation der Beförderung informiert hatte, besteht jetzt die Absicht, im Jahr 2016 das Thüringer Besoldungsgesetz so zu ändern, dass neue Möglichkeiten für Beförderungen geschaffen werden.

Bisher konnte man als Berufsschullehrer davon ausgehen, dass es im normalen Berufsleben die Möglichkeit gab nach A 14, bzw. für die Fachpraxislehrer nach A 10 befördert zu werden. Dass, wie im o. g. Schreiben ausgeführt, die „Tätigkeit einer Lehrkraft vor und nach der Beförderung dieselbe bleibt“, spielte dabei keine Rolle. Die Erfahrungen waren in den letzten Jahren aber andere: bis auf wenige Ausnahmen haben die Kolleginnen und Kollegen nie eine Beförderung erlebt und sind im Eingangsamt in Pension gegangen.

Die Vorstellungen im Ministerium gehen jetzt dahin, neue Funktionsstellen einzuführen. Wird man für eine höher zu bewertende Tätigkeit ausgewählt, ist auch eine Beförderung möglich. Dass man sich in dieser Tätigkeit dann wieder einige Jahre „bewähren“ muss, dürfte klar sein. Selbst wenn es noch in diesem Jahr diese neuen Funktionsstellen an unseren Schulen geben sollte, werden die Betroffenen noch einige Zeit auf eine Beförderung warten müssen.

Weiterhin wurde die Fortführung des Personalentwicklungskonzeptes angekündigt. Hier sollen die Themen Lehrerbildung, Lehrergesundheit und Seiteneinsteiger in Arbeitsgruppen besprochen werden. Aus unserer Sicht wird es für die Nachqualifizierung der Seiteneinsteiger an den berufsbildenden Schulen höchste Zeit, wieder entsprechende rechtliche Regelungen zu erhalten.

Die Freude der Ministerin über das seit Anfang des Jahres in Kraft befindlichen Bildungsfreistellungsgesetz war für uns nicht ganz nachzuvollziehen. Lehrkräfte können die 5 Tage „Bildungsurlaub“ nur während der unterrichtsfreien Zeit nehmen.
Damit dürfte alles bleiben wie es war.

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Neues Berufsschulnetz ab 2016/17 

Bis zum Herbst dieses Jahres, so Vertreter der Kammern am 04. März 2015 in Erfurt, sollte das vom Bildungsministerium zu erarbeitende Berufsschulnetz für das Schuljahr 2016/17 vorliegen. Einen Entwurf, der im Haus von Ministerin Dr. Klaubert noch abgestimmt werden muss, scheint es schon zu geben. Einzelheiten sind bisher nicht bekannt.

Wir erhoffen uns zum V. Thüringer Berufsschultag am 24. Oktober 2015 in Jena konkrete Aussagen von der Ministerin dazu, wie es an den 41 Standorten berufsbildender Schulen in Thüringen ab nächstem Schuljahr weiter geht. Das betrifft zum einen den Umgang mit unterfrequentierten Klassen und zum anderen die Perspektive für Standorte die deutlich unter der geforderten Schülerzahl von 1000 liegen.

Ein weiterer Schwerpunkt zum V. Thüringer Berufsschultag wird der Umgang mit Flüchtlingen bzw. Asylbewerbern sein. ln den letzten Tagen wurde mit den in großer Zahl nach Thüringen kommenden Flüchtlingen die Hoffnung geweckt, den bestehenden Bedarf an Fachkräften bzw. Bewerbern für Ausbildungsplätze besser abdecken zu können. Leider gibt es dazu bisher wenig Konkretes. Freie Plätze dürfte es an den berufsbildenden Schulen genug geben, um Asylbewerbern Sprachkurse oder eine Berufsausbildung zu ermöglichen.

Leider wurde mit der 2012 erfolgten Änderung des Schulgesetzes die Schulpflicht für Jugendliche nach dem 10jährigen Besuch der allgemeinbildenden Schule abgeschafft. Diese damals von Minister Matschie gegen besseres Wissen durchgesetzte Änderung wirkt sich jetzt nachteilig aus. Nach der vorher geltenden Regelung wäre es z. B. ohne Weiteres möglich gewesen, jugendlichen Asylbewerbern mit einer Ausbildung in der Berufsfachschule die notwendigen Sprachkenntnisse und einen anerkannten Schulabschluss zu vermitteln.

Schulpflichtige Asylbewerber können nur als Auszubildende in der Berufsschule ihre Schulpflicht erfüllen. Die für sie interessanteren Ausbildungen in der Berufsfachschule, Höheren Berufsfachschule oder Fachoberschule bleiben ihnen verwehrt, da diese nicht der Schulpflicht unterliegen. Die Möglichkeit für Unternehmen, über Kontakte zu berufsbildenden Schulen geeignete Bewerber nach dem Besuch der Berufsfachschule zu finden, entfällt damit auch.

Es dürfte interessant werden, die Vorstellungen des Ministeriums dazu zum V. Thüringer Berufsschultag zu hören.

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Ungleichbehandlung bleibt bestehen 

Mit Inkrafttreten der Thüringer Verordnung über die Arbeitszeit der beamteten Lehrer (ThürLehrAzVO) hatten wir die Hoffnung verbunden, dass die ungleiche Praxis der Abrechnung geleisteter Unterrichtsstunden an den berufsbildenden und allgemeinbildenden Schulen beendet wird. Ministerin Dr. Klaubert hat als Antwort auf unser Schreiben dazu jetzt mitgeteilt: „… es wurde entschieden, dass die Regelungen in den genannten Abschnitt bestehen bleiben.“

Die von vielen unserer Kolleginnen und Kollegen in ihrer täglichen Arbeit empfundenen Belastungen durch das beliebige Verschieben der wöchentlich zu leistenden Pflichtstunden ist für die Ministerin eine Notwendigkeit: „Bei gleichzeitiger Beschulung von Klassen in Vollzeit-, Teilzeit-, Block- und Tageunterricht etc. ist ein ausgewogener Lehrereinsatz anders nicht planbar."

Von Ministerin Dr. Klaubert wird die von uns wiederholt angemahnte Mehrbelastung der Lehrer an den berufsbildenden Schulen durch diese Festlegungen nicht gesehen:

„Ihre Darstellung zur Mehrbelastung der Kolleginnen und Kollegen durch Vertretungen sowie zur Unzufriedenheit und Frustration in vielen Kollegien wird nicht geteilt. Der partiellen Mehrbelastung der Lehrerschaft stehen Arbeitsabschnitte mit weniger Arbeitsaufkommen gegenüber. In Zeiten der „Minderbeschäftigung“, z. B. durch vorzeitigen Abgang von Klassen, sind in der Regel auch weniger zu beschulende Klassen vor Ort und damit besteht weniger Vertretungsaufwand durch andere Kollegen.
Zu Ihrer Mitteilung zur Abrechnungspraxis an den berufsbildenden Schulen teile ich Ihnen mit, dass die Betrachtung der Auslastung über das gesamte Unterrichtsjahr zu einer besseren und gerechteren Vergleichbarkeit zwischen Lehrkräften in den unterschiedlichen Schulformen der berufsbildenden Schulen führt."

Unser Argument einer Ungleichbehandlung der Lehrer an verschiedenen Schularten wird auf eine sehr eigenwillige Weise aufgegriffen:

„Ihre Auffassung zur Gleichbehandlung der Lehrer an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen wird insofern geteilt, dass geprüft werden muss, ob die Regelungen zu den Grundsätzen der Einsatzplanung als Grundlage für alle Lehrer in die ThürLehrAzVO aufgenommen werden können.“

Die Lehrerinnen und Lehrer an den allgemeinbildenden Schulen werden für diese Form der Gleichbehandlung sicher dankbar sein.

Download Aktuell-Blatt 02/15

Download Antwortschreiben von Frau Ministerin Dr. Klaubert

Siehe hierzu auch: Aktuell-Blatt Nr. 01/15 vom 22. Januar 2015 sowie 04/14 vom 20. November 2014


 

 

Themen für Gespräch mit Ministerin Dr. Klaubert 

Im Newsletter vom 13. Januar 2015 hat die Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, Frau Dr. Birgit Klaubert einen konstruktiven Dialog mit allen Interessierten und regelmäßige Beratungen mit den Interessenvertretungen angekündigt. Dieses Angebot ist zu begrüßen, hebt es sich doch deutlich von der Arbeitsweise des bisherigen Ministers Matschie ab. Im Heft 2/2014 hatten wir dazu ausführlich berichtet.

Wir haben in einem Schreiben die aus unserer Sicht dringlichsten Themen für die berufsbildenden Schulen der Ministerin mitgeteilt und den Vorschlag zu einer Vertiefung im direkten Gespräch unterbreitet.

  1. Einstellungen von neuen Lehrern
    Können am Studienseminar in Erfurt genügend Berufsschullehrer ausgebildet werden? Für die Nachqualifizierung von Seiteneinsteigern fehlen bisher die gesetzlichen Grundlagen.
  2. Veränderung der Stundenabrechnung an unseren Schulen
    Bisher gibt es vom Ministerium keine Bereitschaft, die Festlegungen zur Stundenabrechnung denen der allgemeinbildenden Schulen wieder anzupassen.
  3. Berufsschulnetz
    Die Rücknahme der Entscheidung zum Berufsschulnetz von Anfang Dezember durch die neue Ministerin ist zu begrüßen. Aus unserer Sicht besteht keine Notwendigkeit, die gegenwärtig 42 berufsbildenden Schulen in Thüringen weiter zu reduzieren.
  4. Aus- und Weiterbildung an den berufsbildenden Schulen
    Wir werden der Ministerin vorschlagen, an den staatlichen berufsbildenden Schulen in Thüringen Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung zuzulassen und die dabei geleisteten Unterrichtsstunden auf die Pflichtstundenzahl der Berufsschullehrer anzurechnen.

Über die Ergebnisse der Gespräche werden wir im BLV-Info Heft bzw. hier unter www.blv-thueringen.de informieren. 

Download Aktuell-Blatt 01/15

Download Schreiben an Frau Ministerin Dr. Klaubert